Claude Code Skills: Erfahrungsbericht

·

Kurzfassung: Claude Code Skills sind Markdown-Dateien, die einem KI-Assistenten beibringen, Fehler nicht zu wiederholen. Ich nutze sie für alles, von Blog-Texten bis SEO-Audits. Das Spannendste daran: Man kann Skills testen wie Code.

Kurz Storytime. Ich hab zwölf Blogartikel mit Claude geschrieben. War zufrieden. Dann hab ich mir die Texte nochmal vorgenommen und… na ja. Zehn von zwölf hatten dieselben Probleme. Überall fette Überschriften vor Aufzählungspunkten. Überall Dreiergruppen am Satzende. Und mindestens einmal pro Text: „es ist wichtig zu beachten“.

Das Ding ist: Ich hatte Claude das jedes Mal gesagt. Lass das. Mach das nicht. Er hat’s auch gelassen. Aber in der nächsten Session? Alles wieder da. Weil jede Konversation bei null startet. Null Erinnerung. Null Lerneffekt.

Stell dir vor, du arbeitest mit jemandem zusammen, der extrem gut ist, aber jeden Morgen komplett vergessen hat, was ihr gestern besprochen habt. Das ist die Arbeit mit KI-Assistenten. Jeden Tag von vorne.

Irgendwann hab ich aufgehört, mich drüber aufzuregen. Stattdessen hab ich mich gefragt: Was wäre, wenn ich meine Korrekturen einmal aufschreiben könnte und die ab dann einfach… gelten? Nicht als System-Prompt, den ich bei jeder Session reinkopiere. Nicht als eine CLAUDE.md-Datei, die irgendwann so lang wird, dass nichts mehr ankommt.

Sondern als was Eigenes. Was automatisch greift, wenn’s passt.

Die Antwort: Skills.

Was ein Skill ist (und was nicht)

Ein Skill ist, einfach gesagt, eine Markdown-Datei. Mit ein bisschen YAML oben drüber. Das klingt erst mal unspektakulär, aber hier kommt der Trick: Du rufst einen Skill nicht auf. Claude erkennt selbst, wann einer relevant ist, und lädt ihn.

Wie funktioniert das? Oben im YAML steht eine description. Die beschreibt nicht, was der Skill tut, sondern wann er greifen soll. Claude nutzt das wie einen Suchindex. Passt die aktuelle Aufgabe? Skill wird geladen.

---
name: humanizer
description: |
  Anzeichen KI-generierter Texte erkennen und entfernen.
  Verwende diesen Skill beim Bearbeiten oder Überprüfen von Texten.
---

Darunter steht dann normales Markdown. Regeln, Beispiele, Muster. Was Claude halt wissen muss.

Mein erster Skill war der Humanizer. 24 Muster von KI-generiertem Text, alle mit Erkennungsregeln und Vorher-Nachher-Beispielen. „Partizipial-Konstruktionen streichen.“ „Keine Dreierregel.“ „Wenn der Text ‚zusammenfassend lässt sich sagen‘ enthält, lösch den ganzen Absatz.“

Und weißt du was? Es hat funktioniert. Das Problem war weg. Ich musste nicht mehr in jeder Session dieselben Korrekturen runterbeten. Die waren jetzt kodifiziert. Claude hat sie einfach angewendet.

Nicht perfekt, klar. Kein Skill macht einen Assistenten fehlerfrei. Aber das ständige Wiederholen war vorbei.

Vom einzelnen Skill zum ganzen Ökosystem

Ein Skill allein ist nett. Wird aber richtig gut, wenn du anfängst, in Systemen zu denken. Ich arbeite mittlerweile mit drei Ebenen (und ja, das hat sich über Wochen entwickelt, nicht an einem Nachmittag):

Erstens: Eigene Skills. Der Humanizer für Texte. Ein Thumbnail-Generator, der mir per Kommandozeile Blog-Bilder baut. 14 SEO-Skills, für alles, was Google und KI-Suchmaschinen betrifft.

Zweitens: Prozess-Skills. Die kommen aus dem Superpowers-Plugin und steuern, wie Claude arbeitet. Erst Brainstorming, dann Plan, dann TDD, dann Verifikation. Das Brainstorming hat einen Hard Gate eingebaut. Claude kann keinen Code schreiben, bevor ein Design existiert. Nicht „soll nicht“. Kann nicht. (Okay, technisch schon, aber er müsste die Regel aktiv brechen, und das tut er nicht.)

Drittens: Community-Plugins. Skills, die andere Leute geschrieben haben. Installierst du mit einem Befehl.

Wo das richtig beeindruckend wird: mein SEO-Setup. Ich hab einen Skill, der schickt sechs Agenten gleichzeitig los. Einer checkt die Technik, einer den Content, einer die Schema-Markups, einer die Bilder, einer die AI-Suchmaschinen-Optimierung, einer die Sitemap. Zwölf Skills, ein Kommando.

Aber perfekt ist das nicht. Ehrlich gesagt. Ich hab den SEO-Audit auf meiner eigenen Seite laufen lassen. Vieles war richtig. Einiges war falsch. Und ein paar Sachen, die ich als SEO-Typ sofort gesehen hätte, hat er komplett übersehen. Ohne mein Fachwissen hätte ich nicht unterscheiden können, was stimmt und was Quatsch ist.

Skills machen dich besser in dem, was du schon kannst. Wenn du keine Ahnung von SEO hast, rettet dich auch kein SEO-Skill.

Dokumentation testen (ja, wie Code)

Okay, jetzt kommt der Teil, der mich am meisten fasziniert. Klingt erst mal verrückt: Kann man Dokumentation testen? Wie Software?

Ja. Kann man. Das Superpowers-Framework macht genau das. Die Idee: Erst zeigen, dass was kaputt ist. Dann zeigen, dass der Fix funktioniert. Dann die Schlupflöcher schließen.

Schritt eins: Du baust ein Stress-Szenario. Zeitdruck, versunkene Kosten, das volle Programm. Dann lässt du einen Agenten die Aufgabe ohne den Skill bearbeiten. Was passiert? Er überspringt Schritte, behauptet er sei fertig, liefert halbgar ab. Wie erwartet.

Schritt zwei: Jetzt fügst du den Skill hinzu. Selbes Szenario. Und plötzlich folgt der Agent dem Prozess. Schreibt Tests bevor er Code schreibt. Legt Designs vor bevor er implementiert.

Schritt drei: Du schaust dir an, welche Ausreden der Agent sich ausdenkt, um den Skill zu umgehen. „Das ist zu simpel für ein Design.“ „Ich brauch erst mehr Kontext.“ Und dann machst du diese Ausreden im Skill explizit unmöglich.

Das Superpowers-Framework hat dafür Rationalisierungstabellen. Kein Witz. Jeder Skill enthält eine Tabelle, die Agenten-Ausreden auf Realität mappt:

GedankeRealität
„Das ist nur eine einfache Frage“Fragen sind Aufgaben. Prüfe auf Skills.
„Ich brauche erst mehr Kontext“Skills sagen dir, WIE du Kontext sammelst.
„Der Skill ist Overkill“Aus einfachen Dingen werden komplexe. Nutz ihn.
„Ich mach nur schnell diese eine Sache“Prüfe BEVOR du irgendetwas tust.

Das System testet also seine eigenen Regeln mit denselben Methoden, die es durchsetzen will. Klingt komplizierter als es ist: Wenn du ein bestimmtes Verhalten willst, schreibst du es auf, testest es und schließt die Schlupflöcher.

Was sich geändert hat

Was bringt’s mir jetzt konkret? Ich wiederhole mich nicht mehr. Wenn Claude was falsch macht, schreib ich’s einmal auf, und ab der nächsten Session ist es drin. Klingt banal. Aber wenn du mal zwölf Artikel nachkorrigiert hast, weißt du, was das wert ist.

Perfekt ist das Ganze nicht. Skills sind weiterhin nur Text, den Claude einfach ignorieren kann. Das passiert zwar selten, aber möglich wäre es, besonders wenn es gegensätzliche Instruktionen gibt. Mein SEO-Audit hat ein paar Sachen übersehen, die ich als Fachmann sofort gesehen hab. Das zeigt die Grenze.

Aber die Richtung stimmt. Ich schreibe eine Korrektur, und sie gilt. Nicht nur heute, sondern auch nächste Woche und darüber hinaus.


Über den Autor: Eric Hinzpeter

Eric Hinzpeter ist Content-Stratege und Experte für Marketing-Automatisierung, der die methodische Content-Strategie mit den technologischen Säulen AI-Enablement, AI-Automation und AI-Toolstack zu skalierbaren Systemen vereint.

Mehr über mich →

Weitere Beiträge

Erfahre mehr über künstliche Intelligenz, Automation und Content Marketing