Claude Cowork hat einen Kernvorteil gegenüber Claude im Browser: Der Workspace liegt lokal. Claude liest direkt Dateien, schreibt in Ordner und kennt Brand Guides oder Vorlagen, die dort abgelegt sind. Im Gegensatz zu Browser-Claude, wo man bei jeder Session von vorne erklärt, wer man ist, bleibt dieser Kontext in Cowork erhalten.
Die folgenden zehn Prompts sind für Freelancer und Solo-Selbstständige gebaut, die Cowork produktiv einsetzen wollen. Die cowork-spezifischen Prompts setzen voraus, dass Brand Guide, Vorlagen oder ähnliche Dateien im verknüpften Ordner liegen.
Schreiben & Überarbeiten
1. Textentwurf nach Brand Voice
Schreibe einen LinkedIn-Post über [Thema]. Lies vorher meinen Brand Guide aus dem Workspace-Ordner. Halte dich an Tonalität, Phrasen-Verbote und Länge, die dort definiert sind. Keine Emojis, keine Aufzählungszeichen, kein Marketing-Hype. Schreibe in der Ich-Perspektive.
Dieser Prompt nutzt den Workspace direkt. Claude liest den Brand Guide, bevor er schreibt. Kein Copy-Paste in den Kontext nötig. Wer mehrere Formate braucht (LinkedIn, Newsletter, Blog), kann denselben Prompt mit geändertem Zielformat durchlaufen lassen, da der Kontext über Sessions hinweg erhalten bleibt.
2. Bestehenden Text überarbeiten
Hier ist ein Text von mir: [Text einfügen]
Überarbeite ihn nach diesen Kriterien:
- Kurze Sätze für Betonung, dann längere. Rhythmus variieren.
- Keine abgedroschenen Phrasen (kein "Lass uns...", "Werfen wir einen Blick", "Am Ende des Tages")
- Keine Marketing-Floskeln ("bahnbrechend", "Game Changer", "nahtlos")
- Aktive Konstruktionen bevorzugen
- Nichts erfinden oder ergänzen — nur überarbeiten, was schon da ist
Gib mir die überarbeitete Version und markiere die drei größten Änderungen.
Dieser Prompt schützt vor einer häufigen KI-Falle: Claude fügt gerne neue Inhalte ein, wenn er „verbessern“ soll. Die Vorgabe „nichts erfinden“ verhindert genau das. Die Anforderung, die drei wichtigsten Änderungen zu nennen, zwingt Claude zu einer Entscheidung statt alles auf einmal zu liefern.
3. Rohtext zu publizierbarem Content aufbereiten
Ich habe diese Rohnotizen aus einem Kundengespräch / einer Session / meinen Gedanken: [Notizen]
Baue daraus einen [Blog-Post / Newsletter-Abschnitt / LinkedIn-Post].
Behalte alle konkreten Details und Beispiele aus den Notizen — das ist das Wertvollste.
Füge nichts hinzu, was nicht in den Notizen steht.
Ton: direkt, informell, keine leere Struktur.
Dieser Prompt macht aus unstrukturierten Gedanken publizierbaren Content, ohne die konkreten Details und Beispiele zu verlieren. Claude übersetzt hier, er bringt die Notizen in Form, erfindet aber nichts dazu. Mehr dazu, warum das bei authentischen KI-Inhalten entscheidend ist.
Recherche & Strukturierung
4. Thema strukturieren vor dem Schreiben
Ich will über [Thema] schreiben. Zielgruppe: [Beschreibung].
Gib mir drei mögliche Gliederungsoptionen:
- Option A: Einsteiger-Perspektive (Warum ist das relevant?)
- Option B: Praktiker-Perspektive (Wie funktioniert es konkret?)
- Option C: Kritische Perspektive (Was funktioniert nicht wie versprochen?)
Für jede Option: 4–5 H2-Abschnitte mit je einem Satz, der beschreibt, was der Leser dort lernt. Keine ausformulierten Texte, nur Struktur.
Vor dem Schreiben lohnt sich die Entscheidung über den Blickwinkel. Dieser Prompt liefert drei echte Alternativen, keine oberflächliche Aufzählung von Aspekten. Die Einschränkung „nur Struktur, kein Text“ verhindert, dass Claude direkt in den Schreibmodus wechselt, bevor die Richtung steht.
5. Gegenargumente zu einer These sammeln
Ich schreibe über [Thema]. Was sind die stärksten Gegenargumente zu der These, dass [meine These]?
Gib mir:
- 3–4 konkrete Gegenargumente mit Begründung
- Zu jedem Argument: eine Frage, die ein skeptischer Leser stellen würde
- Am Ende: das stärkste Gegenargument in einem Satz
Keine Belege erfinden. Wenn du keine konkreten Quellen kennst, sag das direkt.
Wer nur nach Belegen für die eigene These sucht, schreibt einen schwachen Text. Dieser Prompt dreht die Richtung um, damit man die eigene Argumentation gegen die härtesten Einwände testen kann. Der Hinweis „keine Belege erfinden“ ist notwendig: Claude halluziniert Quellen, wenn man ihn nicht explizit abbremst. Was dahinter steckt, steht in den Grundlagen des Prompt Engineerings.
Business-Kommunikation & E-Mails
6. Professionelle Antwort-E-Mail schreiben
Ich antworte auf diese Anfrage: [E-Mail / Nachricht einfügen]
Schreibe eine Antwort, die:
- Direkt auf die konkrete Frage eingeht (kein Smalltalk-Einstieg)
- Meinen nächsten Schritt klar nennt
- Maximal 150 Wörter hat
- Professionell klingt, aber nicht förmlich
Mein Hintergrund zur Anfrage: [optionaler Kontext, z.B. Preisvorstellung, Verfügbarkeit]
KI-generierte E-Mails sind meistens zu lang und beginnen mit einem Satz, den kein Mensch so schreiben würde. Das Wortlimit zwingt Claude, zu priorisieren. Wer Cowork nutzt, kann zusätzlich eine E-Mail-Vorlage im Workspace ablegen und den Prompt auf diese Vorlage verweisen lassen.
7. Schwierige Nachricht in drei Varianten formulieren
Ich muss folgende Nachricht senden: [Kontext, z.B. Preiserhöhung ankündigen / Projekt ablehnen / Deadline verschieben]
Schreibe mir drei Varianten:
- Variante A: direkt und kurz (unter 80 Wörter)
- Variante B: mit etwas mehr Kontext und Begründung
- Variante C: mit einem konkreten Alternativvorschlag
Keine defensiven Formulierungen, keine Entschuldigungen für normale Geschäftsentscheidungen.
Die drei Varianten zeigen das Spektrum: manchmal reicht knapp, manchmal braucht es Kontext, manchmal ist ein Alternativvorschlag das Richtige. Welche Variante passt, hängt vom Empfänger und der Situation ab.
Workflow & Planung
8. Wochenziele in konkrete Tasks aufbrechen
Meine Ziele für diese Woche: [Liste]
Breche jedes Ziel in konkrete, ausführbare Einzelschritte auf.
Jeder Schritt soll:
- Mit einem Verb beginnen
- In unter 30 Minuten erledigt werden können
- Klar sein, ohne weiteren Kontext zu brauchen
Markiere Schritte, die andere blockieren (Dependencies). Schätze die Gesamtzeit pro Ziel.
„Newsletter schreiben“ ist kein ausführbarer Task, „Gliederung für Newsletter-Ausgabe April anlegen“ schon. Die Dependency-Markierung hilft beim Planen der Reihenfolge, besonders wenn mehrere Projekte parallel laufen. Wer Claude Cowork für Planung nutzt, kann das Ergebnis direkt in die Todo-Liste der App übernehmen.
9. Content-Kalender für einen Monat erstellen
Ich brauche einen Content-Kalender für [Monat].
Rahmenbedingungen:
- Plattformen: [z.B. LinkedIn, Newsletter]
- Frequenz: [z.B. 2x LinkedIn pro Woche, 1x Newsletter]
- Themen-Cluster: [z.B. KI-Tools, Freelance-Workflow, Kundenprojekte]
- Bereits geplante Inhalte: [falls vorhanden]
Gib mir eine Übersicht mit Datum, Plattform, Thema und einem Satz zum Kerninhalt jedes Beitrags. Keine ausformulierten Texte, nur der Kalender.
Content-Planung mit Claude funktioniert am besten mit klaren Rahmenbedingungen. Ohne Frequenz- und Plattformvorgaben bekommt man einen theoretisch vollständigen, praktisch unbrauchbaren Kalender. Wer das Prompting-Fundament kennt, merkt schnell, warum die Einschränkungen hier das Entscheidende sind. Den fertigen Kalender kann man im Cowork-Workspace speichern und in folgenden Sessions direkt darauf aufbauen.
Cowork-spezifisch: Workspace und persistenter Kontext
10. Workspace für ein Projekt einrichten
Ich richte meinen Cowork-Workspace für [Projekt / Kundenname] ein.
Erstelle mir folgende Dateien im Workspace-Ordner:
1. brand-guide.md — mit diesen Angaben: [Tonalität, Zielgruppe, Phrasen-Verbote, Stil-Beispiele]
2. projekt-kontext.md — mit diesen Angaben: [Projektziel, bisheriger Stand, offene Fragen]
3. vorlagen-uebersicht.md — Liste der verfügbaren Vorlagen mit je einem Satz zur Verwendung
Halte die Dateien kompakt. Jede Datei soll als Kontext-Referenz funktionieren, nicht als Dokumentation.
Wer Claude Cowork zum ersten Mal einrichtet, unterschätzt oft, wie viel vom Nutzen des Tools am Workspace-Setup hängt. Der Mehrwert von Cowork gegenüber Browser-Claude entsteht erst mit gut strukturierten Kontext-Dateien. Dieser Prompt baut die Grundlage: drei kompakte Dateien, die Claude in jeder folgenden Session lesen kann, ohne dass man den Kontext erneut eintippt.
Prompts sind keine Abkürzung fürs Nachdenken
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Gute Prompts ersetzen das Nachdenken darüber, was man eigentlich will. Das stimmt nicht. Ein guter Prompt setzt voraus, dass diese Entscheidung schon getroffen ist. Was er abnimmt, ist das Formulieren, das Strukturieren, das Durcharbeiten von Varianten.
Die Prompts hier sind Ausgangspunkte. Jeder davon funktioniert besser, wenn man die Platzhalter mit echtem Kontext füllt und das Ergebnis einmal kritisch durchliest, bevor man es kopiert. Claude Cowork gibt mehr Spielraum für diesen Prozess als Browser-Claude, weil der Kontext zwischen Sessions bleibt.
Wer tiefer in den Einsatz von Claude einsteigen will, findet im Cowork-Erfahrungsbericht eine ausführlichere Einordnung, den Vergleich der verschiedenen Modelle im Artikel zu ChatGPT vs. Claude. Wer den Unterschied zwischen KI-Assistent und Agent verstehen will, findet die Antwort im Beitrag zu AI Assistant und AI Agent.



