Ich hab Claude Code das erste Mal so gestartet, wie ich fast jedes neue Tool starte: direkt rein, keine Vorbereitung, schauen was passiert. Das war ein Fehler. Nach ein paar Stunden hatte ich eine CLAUDE.md, die so voll war, dass Claude bei jedem neuen Task erst mal zig Dateien eingelesen hat. Token-Budget futsch, Context überladen, Claude hat angefangen zu halluzinieren. Nicht böswillig, einfach weil zu viel auf einmal im Kontext war und nichts davon gut strukturiert. Der wichtigste Tipp vorab: Struktur kommt vor allem anderen.
Was ist Claude Code?
Claude Code ist kein Chat-Interface, sondern läuft im Terminal oder direkt in der IDE und arbeitet mit deinem Projekt zusammen: Dateien lesen, Code ausführen, Git-Operationen durchführen, Bugs debuggen. Alles in einer Session.
Der Unterschied zu einem normalen Chat-Assistenten ist, dass Claude Code tatsächlich in deinem Projektverzeichnis arbeitet. Es sieht die Dateien, liest und verändert sie direkt. Du musst keinen Code mehr hin- und herkopieren. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ist es aber nicht: weniger Kontextwechsel zwischen Editor, Terminal und Browser spart mehr Zeit, als man denkt.
Aktuell läuft Claude Code auf Claude Sonnet 4.6 als Standardmodell. Es ist ein agentischer KI-Ansatz, das Modell plant Zwischenschritte, führt sie aus und reagiert auf das Ergebnis, statt nur auf deine Eingabe zu antworten.
Wer mehr über den Unterschied zwischen einem einfachen AI Assistant und einem AI Agent wissen will: Das hab ich hier ausführlicher erklärt.
Installation: Windows, Mac, Linux
Es gibt zwei Wege: die Desktop App (grafische Oberfläche, kein Terminal nötig) und die CLI (für die Nutzung direkt im Terminal oder in VSCode). Die meisten steigen mit der CLI ein.
CLI: Mac und Linux
curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash
CLI: Windows
In PowerShell:
irm https://claude.ai/install.ps1 | iex
Voraussetzung auf Windows: Git für Windows muss installiert sein. WSL wird nicht benötigt.
Desktop App (Windows und Mac)
Wer lieber ohne Terminal arbeitet: Anthropic bietet eine Desktop App für Windows und Mac an, die Claude Code mit grafischer Oberfläche ausliefert. Linux wird von der Desktop App aktuell nicht unterstützt. Die App erfordert ein bezahltes Abo (Pro, Max, Teams oder Enterprise).
Einloggen und loslegen
Nach der Installation startest du Claude Code mit claude im Terminal. Beim ersten Start wirst du eingeloggt. Zwei Wege: ein claude.ai Pro- oder Max-Abo (empfohlen für regelmäßige Nutzung) oder ein API-Key von Anthropic (pay-per-use, gut zum Testen). Beim API-Key steigen die Kosten schnell, wenn der Context nicht sauber bleibt. Dazu gleich mehr.
Richtig starten: Struktur vor dem ersten Commit
Bevor du das erste Mal claude eintippst, lohnt es sich, ein paar Fragen zu beantworten:
- Was will ich bauen, und wie sollen die Dateien organisiert sein?
- Was soll Claude über das Projekt wissen, und was kommt in die CLAUDE.md?
Was ist die CLAUDE.md?
Die CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei im Projektverzeichnis, die Claude liest, bevor es irgendetwas tut. Dort stehen die Regeln für das Projekt: welche Dateien relevant sind, welche Namenskonventionen gelten, was Claude nicht anfassen soll. Es ist die Übergabe, die du einem neuen Entwickler geben würdest, der frisch ins Projekt einsteigt.
Das Problem: Wenn die CLAUDE.md zu groß ist oder zu viele Dateien referenziert, lädt Claude bei jedem Task alles davon in den Context. Je mehr Token im Context, desto teurer die Session und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Claude anfängt, sich Dinge auszudenken. Ich hab das selbst erlebt. Die Lösung ist nicht, mehr zu dokumentieren, sondern fokussierter.
Wenn dich das Thema Context-Steuerung interessiert, lohnt sich ein Blick auf Context Engineering und seine Herausforderungen, dort gehe ich tiefer rein, was passiert wenn Modelle zu viel auf einmal verarbeiten müssen.
Claude Code in VSCode nutzen
Ich nutze Claude Code ausschließlich in VSCode, nicht im normalen Terminal. Der Grund: Ich sehe die Dateistruktur direkt neben dem Terminal-Panel. Wenn Claude eine Datei ändert, sehe ich sofort, welche es ist, und kann im Editor parallel nachsehen.
Die Claude Code Extension gibt es kostenlos im VSCode Extension Marketplace. Nach der Installation öffnet sich Claude Code als Panel innerhalb von VSCode und hat trotzdem vollen Zugriff auf das Projektverzeichnis, genau wie im Terminal.
Ein Tipp, den ich selbst nutze: Voice Input. Statt lange Prompts zu tippen, spreche ich viele Anweisungen ein. Das klingt erstmal komisch, funktioniert aber gut für komplexe Aufgaben, bei denen ich viel Kontext geben muss. Gerade für Content-Marketer oder Business Owner, die nicht täglich am Terminal sind, ist das eine echte Option.
Drei Projekte aus der Praxis
Hier sind drei Projekte, die ich damit gebaut habe und die tatsächlich laufen.
1. WordPress Theme entwickelt
Diese Website hier läuft auf einem WordPress Theme, das ich mit Claude Code gebaut habe. Das 70s-Theme war mein erstes größeres Projekt damit. Alles: Templates, Block Patterns, CSS, PHP-Funktionen, Web Tools. Claude Code hat dabei nicht einfach Code generiert und zurückgegeben, sondern direkt in den Dateien gearbeitet, Änderungen vorgenommen und Fehler gefunden.
Das war auch das Projekt, bei dem ich gelernt habe, was eine gute CLAUDE.md ausmacht und was passiert, wenn sie zu groß wird. Wer sehen will, wie das in der Praxis aussieht: Den Use Case dazu hab ich hier dokumentiert.
2. LLM Bot Monitor Plugin
Das zweite Projekt war ein WordPress Plugin: der LLM Bot Monitor. Das Plugin trackt, welche KI-Bots meine Website besuchen, Crawlers von OpenAI, Anthropic, Google und anderen. Ich wollte wissen, ob meine Seite als Trainingsdatenquelle genutzt wird und welche Bots überhaupt vorbeischauen.
Claude Code hat die Pluginarchitektur mitentwickelt, Datenbankabfragen gebaut und das Admin-Interface geschrieben. Ich hab die Richtung vorgegeben, Claude hat die Umsetzung übernommen, und ich hab geprüft, bevor etwas deployed wurde. Human in the Loop war bei jedem Schritt Pflicht, gerade bei einem Plugin, das Daten in die Datenbank schreibt.
3. Karussell-Automatisierung
Ich nutze einen Skill, der automatisch LinkedIn-Karussells generiert, ein JavaScript-basiertes Tool, das aus einem Input-Text fertige Slides baut. Das hab ich mit Claude Code entwickelt: erst die Logik, dann das Layout, dann die Integration als Skill, den Claude selbst nutzen kann.
Wer tiefer in das Thema Skills einsteigen will, dem empfehle ich meinen Erfahrungsbericht zu Claude Code Skills, dort erkläre ich was Skills sind, wie sie aufgebaut sind und was in der Praxis funktioniert.
Skills und Plugins: das Ökosystem rund um Claude Code
Skills sind Markdown-Dateien, die Claude sagen, wie er bei einer bestimmten Art von Aufgabe vorgehen soll. Keine echten Programme, sondern Instruktionen, die Claude beim Arbeiten als Referenz nutzt. Eine Skill-Datei für SEO-Analyse etwa kann beschreiben, welche Punkte geprüft werden sollen, in welcher Reihenfolge und in welchem Format das Ergebnis ausgegeben wird.
Es gibt eine wachsende Community mit fertigen Plugins und Skills. Wer nicht alles selbst aufbauen will, kann dort anfangen und anpassen.
Das Thema Skills würde den Rahmen hier sprengen. Dafür gibt es einen eigenen Post: Claude Code Skills Erfahrungsbericht mit konkreten Beispielen aus meiner Arbeit.
Womit du anfangen solltest
Wer Claude Code von Grund auf lernen will, dem empfehle ich den Kurs Claude Code in Action von Anthropic. Der Kurs deckt die Grundlagen ab: Installation, erste Befehle und wie man Projekte von Anfang an sauber strukturiert. Das ist nützlich, wenn man sich nicht durch halbe Dokumentationsseiten kämpfen will.
Fang mit einem kleinen, echten Projekt an. Nicht mit einem Proof-of-Concept, sondern mit etwas, das du wirklich brauchst. Das hält die Motivation hoch und du lernst schneller, was funktioniert und was nicht. Wer mit einem zu großen Projekt einsteigt, verliert sich leicht in Details, die Claude Code gut lösen könnte, wenn die Struktur von Anfang an stimmt.
Voice Input ausprobieren lohnt sich. Gerade für längere Prompts, bei denen du viel Kontext geben musst, ist das schneller als tippen.
Und richtig prompten lernt sich mit der Zeit. Der wichtigste Punkt: Kontext geben, Aufgaben in kleine Schritte zerteilen, Claude nach jedem Schritt prüfen lassen. Nicht „bau mir eine komplette Website“, sondern „erstelle die Header-Komponente nach diesen Vorgaben“. Das klingt nach mehr Arbeit, ist aber deutlich zuverlässiger. Dazu lohnt sich auch ein Blick auf die Prompting-Grundlagen.
Wenn dich interessiert, wie sich Claude Code in den größeren Kontext von Vibe Coding einordnet: Claude Code ist das Tool, wenn du mit einer echten Codebase arbeitest und nicht nur Code-Schnipsel generieren willst.
Fragen oder du willst zeigen was du gebaut hast? Ich bin auf LinkedIn, dort tausche ich mich gerne aus.



