Eric Hinzpeter
ARTIKEL· 05.01.2026· 7 min

Claude Code für Einsteiger: Setup und erste Projekte

Ich bin ohne Vorbereitung bei Claude Code gestartet und hab schnell Fehler gemacht. Ein Einsteiger-Guide zu Installation, CLAUDE.md und ersten Projekten.

Ich bin bei Claude Code eingestiegen wie bei fast jedem neuen Tool: ohne Vorbereitung, einfach ausprobieren. Das war ein Fehler. Nach ein paar Stunden hatte ich eine CLAUDE.md, die so vollgestopft war, dass Claude bei jeder Aufgabe Dutzende Dateien einlas.

Tokenbudget weg, Kontext überladen, und Claude fing an, Dinge zu erfinden, nicht aus Boshaftigkeit, sondern einfach weil zu viel auf einmal geladen wurde und nichts davon sauber strukturiert war. Der wichtigste Tipp vorweg: Struktur kommt vor allem anderen.

Was Claude Code von einem Chatfenster unterscheidet

Claude Code ist keine Chat-Oberfläche. Es läuft im Terminal oder direkt in der IDE und arbeitet mit dem Projekt: liest Dateien, führt Code aus, macht Git-Operationen, debuggt Fehler. Alles in einer Sitzung.

Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Chat-Assistenten: Claude Code arbeitet wirklich im Projektverzeichnis. Es sieht Dateien, liest sie, ändert sie direkt, ohne dass du Code hin- und herkopierst. Klingt nach einem kleinen Unterschied, ist aber keiner: weniger Wechsel zwischen Editor, Terminal und Browser sparen mehr Zeit, als man zuerst denkt.

Welches Modell dabei läuft, hängt vom Abo ab. Bei Pro- und Team-Standard-Konten startet Claude Code heute standardmäßig mit Claude Sonnet 5, bei Max-, Team-Premium- und Enterprise-Konten mit Claude Opus 5 (Anthropics Model-Doku). Beide lassen sich jederzeit mit /model wechseln. Dabei arbeitet Claude Code agentisch: Das Modell plant Zwischenschritte, führt sie aus und reagiert auf das Ergebnis, statt nur eine einzelne Antwort auf deine Eingabe zu geben.

Installation: CLI, Homebrew oder Desktop-App

Es gibt zwei Wege: die Desktop-App mit grafischer Oberfläche, kein Terminal nötig, und die CLI fürs Terminal oder für VS Code. Die meisten starten mit der CLI.

Auf Mac, Linux und auch unter WSL reicht ein Kommando im Terminal:

curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash

Ein separater Installationsschritt für WSL ist nicht mehr nötig, dasselbe Kommando deckt es mit ab (Quickstart-Doku). Unter Windows läuft es über PowerShell:

irm https://claude.ai/install.ps1 | iex

Git für Windows ist empfohlen, aber nicht zwingend: Ist es installiert, nutzt Claude Code Bash als Shell-Werkzeug, sonst fällt es auf PowerShell zurück. Wer lieber über einen Paketmanager installiert, nutzt brew install --cask claude-code auf dem Mac oder winget install Anthropic.ClaudeCode unter Windows. Beide Wege aktualisieren sich nicht von selbst, die native Installation über curl oder irm dagegen schon, im Hintergrund. Ob die Installation geklappt hat, zeigt claude --version.

Wer ganz ohne Terminal arbeiten will: Die Desktop-App gibt es für Mac und Windows, mittlerweile auch für Linux als Beta. Sie bringt parallele Sessions, einen eigenen Diff-Viewer und ein integriertes Terminal mit. Dafür braucht sie ein bezahltes Abo (Pro, Max, Team oder Enterprise).

Nach der Installation startest du mit claude im Terminal und meldest dich beim ersten Start an, entweder mit einem claude.ai Pro- oder Max-Abo, das sich für regelmäßige Nutzung empfiehlt, oder mit einem API-Key über die Anthropic Console mit vorab bezahltem Guthaben. Läuft der Kontext aus dem Ruder, steigen die API-Kosten schnell. Dazu gleich mehr.

Die Falle, in die ich getappt bin: eine CLAUDE.md, die aus dem Ruder läuft

Bevor du zum ersten Mal claude tippst, lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp. Was willst du bauen, und wie sollen die Dateien organisiert sein? Was muss Claude über das Projekt wissen, und was gehört in die CLAUDE.md?

Die CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei im Projektverzeichnis, die Claude vor jeder Aufgabe liest. Sie enthält die Regeln fürs Projekt: welche Dateien relevant sind, welche Namenskonventionen gelten, was Claude nicht anfassen soll. Im Grunde die Übergabe, die du einem neuen Entwickler mitgeben würdest.

Das Problem: Ist die CLAUDE.md zu groß oder verweist sie auf zu viele Dateien, lädt Claude bei jeder Aufgabe alles davon in den Kontext. Je mehr Tokens im Kontext, desto teurer die Session und desto höher die Chance, dass Claude anfängt, sich Dinge auszudenken. Das hab ich selbst erlebt. Die Lösung ist nicht mehr Dokumentation, sondern eine fokussiertere.

Anthropics eigene Doku nennt dafür eine Richtgröße: unter 200 Zeilen pro CLAUDE.md-Datei (Memory-Doku). Wird die Liste länger, lohnt sich ein .claude/rules/-Verzeichnis: Dorthin wandern Regeln, die nur laden, wenn Claude tatsächlich mit den passenden Dateien arbeitet, statt bei jeder Session mitzufahren. Claude Code liest CLAUDE.md-Dateien dabei die Verzeichnisebene hoch, von der Wurzel bis zum aktuellen Arbeitsverzeichnis, und hängt eine persönliche CLAUDE.local.md danach an. Mehr zum größeren Thema Kontextsteuerung hab ich in Context Engineering: Herausforderungen und Tipps aufgeschrieben.

Neben der CLAUDE.md liegt noch eine zweite Konfigurationsdatei, die ~/.claude/settings.json. Dort steht nicht nur Ernsthaftes: Über sie lässt sich auch die Liste der Spinner-Verben ersetzen, also die Wörter, die Claude Code anzeigt, während es nachdenkt.

Claude Code in VS Code

Ich nutze Claude Code fast ausschließlich in VS Code, nicht im eigenständigen Terminal. Der Grund: Ich sehe die Dateistruktur direkt neben dem Terminal-Panel. Ändert Claude eine Datei, sehe ich sofort welche, und kann sie parallel im Editor gegenprüfen.

Die Claude-Code-Erweiterung ist im VS-Code-Marketplace kostenlos und bringt für das Chat-Panel eine eigene Kopie der CLI mit. Für den claude-Befehl im integrierten Terminal brauchst du trotzdem die eigenständige CLI-Installation von oben (VS-Code-Doku). Nach der Installation öffnet sich Claude Code als Panel in VS Code, mit vollem Zugriff aufs Projektverzeichnis, dazu Inline-Diffs und die Möglichkeit, Pläne vor der Ausführung zu prüfen.

Ein Tipp, den ich selbst nutze: Diktieren. Statt lange Prompts zu tippen, spreche ich viele Anweisungen einfach ein. Klingt erst komisch, funktioniert aber gut bei komplexen Aufgaben, wo ich viel Kontext mitgeben muss. Für Content-Marketer oder Selbstständige, die nicht täglich im Terminal sitzen, ist das eine echte Option.

Drei Projekte aus der Praxis

Hier drei Projekte, die ich damit gebaut habe und die tatsächlich laufen.

WordPress-Theme

Diese Website lief lange auf einem WordPress-Theme, das ich mit Claude Code gebaut habe. Das 70er-Theme war mein erstes größeres Projekt damit: Templates, Block-Patterns, CSS, PHP-Funktionen und Web-Tools. Claude Code hat nicht einfach Code generiert und zurückgegeben, sondern direkt in den Dateien gearbeitet, Änderungen gemacht und Fehler abgefangen.

Das war auch das Projekt, an dem ich gelernt habe, wie eine gute CLAUDE.md aussieht und was passiert, wenn sie zu groß wird. Wer sehen will, wie das in der Praxis aussah: Ich hab den Fall hier dokumentiert.

LLM Bot Monitor Plugin

Das zweite Projekt war ein WordPress-Plugin: der LLM Bot Monitor. Das Plugin trackt, welche KI-Bots meine Seite besuchen, Crawler von OpenAI, Anthropic, Google und anderen. Ich wollte wissen, ob meine Seite als Trainingsdatenquelle genutzt wird und welche Bots überhaupt vorbeischauen.

Claude Code hat die Plugin-Architektur mitentwickelt, die Datenbankabfragen gebaut und das Admin-Interface geschrieben. Ich hab die Richtung vorgegeben, Claude die Umsetzung übernommen, und ich hab vor jedem Deployment geprüft. Menschliche Kontrolle war bei jedem Schritt Pflicht, besonders bei einem Plugin, das in die Datenbank schreibt.

Karussell-Automatisierung

Ich nutze einen Skill, der automatisch LinkedIn-Karussells generiert, ein JavaScript-Tool, das aus Eingabetext fertige Slides baut. Gebaut hab ich das mit Claude Code: erst die Logik, dann das Layout, dann die Integration als Skill, den Claude selbst nutzen kann.

Skills und Plugins: das Ökosystem drumherum

Skills sind Markdown-Dateien, die Claude erklären, wie eine bestimmte Aufgabenart anzugehen ist. Keine echten Programme, nur Anweisungen, die Claude während der Arbeit als Referenz nutzt. Ein Skill für SEO-Analysen kann zum Beispiel beschreiben, welche Punkte in welcher Reihenfolge geprüft werden und in welchem Format das Ergebnis zurückkommt.

Es gibt eine wachsende Community aus fertigen Plugins und Skills. Wer nicht alles selbst bauen will, findet dort einen guten Einstieg. Skills sind ein zu großes Thema für diesen Post, dafür gibt es einen eigenen: Claude Code Skills: Erfahrungsbericht mit konkreten Beispielen aus meiner Arbeit, inklusive der Karussell-Automatisierung von oben.

Wie viel Autonomie du Claude gibst

Claude Code agiert nicht unkontrolliert. Wie viel es allein entscheiden darf, steuerst du über den Permission-Modus, den du mit Shift+Tab durchschaltest (Doku zu Permission-Modi).

Im Standardmodus fragt Claude vor jeder Dateiänderung nach, du siehst einen Diff und bestätigst oder lehnst ab. Im Accept-Edits-Modus übernimmt Claude Dateiänderungen automatisch, fragt aber weiterhin vor Terminal-Befehlen. Der Plan-Modus lässt Claude Änderungen vorschlagen, ohne sie auszuführen. Manche Konten haben zusätzlich einen Auto-Modus, der riskante Aktionen im Hintergrund prüft und erst nach wiederholten Blockaden wieder nachfragt.

Für den Einstieg würde ich beim Standardmodus bleiben, bis du siehst, wie Claude tatsächlich arbeitet. Menschliche Kontrolle bei jedem Schritt bleibt sinnvoll, besonders wenn Claude in eine Datenbank schreibt oder Dateien überschreibt, die du noch nicht committed hast.

Wie du am besten anfängst

Wer Claude Code von Grund auf lernen will: Anthropic bietet den Kurs Claude Code in Action an. Der Kurs deckt die Basics ab: Installation, erste Befehle und sauberen Projektaufbau von Anfang an. Nützlich, wenn du dich nicht durch halbfertige Doku-Seiten kämpfen willst.

Fang mit einem kleinen, echten Projekt an. Kein Proof of Concept, sondern etwas, das du wirklich brauchst. Das hält die Motivation hoch, und du lernst schneller, was funktioniert und was nicht. Wer mit einem zu großen Projekt startet, verliert sich leicht in Details, die Claude Code gut lösen könnte, wenn die Struktur von Anfang an gestimmt hätte.

Diktieren lohnt sich auszuprobieren. Bei längeren Prompts, wo du viel Kontext mitgeben musst, geht es schneller als Tippen.

Gutes Prompten kommt mit der Zeit. Der wichtigste Punkt: Kontext geben, Aufgaben in kleine Schritte zerlegen, nach jedem Schritt gegenprüfen.

Nicht "bau mir eine komplette Website", sondern "erstelle die Header-Komponente nach diesen Vorgaben". Klingt nach mehr Arbeit, ist aber deutlich zuverlässiger. Die Prompting-Grundlagen sind eine gute Ergänzung dazu.

Fragen, oder willst du zeigen, was du gebaut hast? Ich bin auf LinkedIn: eric-hinzpeter-content-marketing.

FAQ

Was ist Claude Code?
Ein Werkzeug, das im Terminal oder in der IDE läuft und direkt im Projekt arbeitet: Dateien lesen, ändern, Code ausführen, Git-Operationen und Debugging in einer Sitzung. Es startet je nach Abo mit Claude Sonnet 5 oder Claude Opus 5 und arbeitet agentisch, statt nur Prompts zu beantworten.
Wie installiere ich Claude Code?
Auf Mac, Linux und WSL reicht curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash im Terminal, unter Windows irm https://claude.ai/install.ps1 | iex in der PowerShell. Alternativ gibt es Homebrew, WinGet oder die Desktop-App für Mac, Windows und Linux (Beta). Danach startest du mit claude und meldest dich mit einem Pro-, Max-, Team- oder Enterprise-Abo an, oder mit einem API-Key über die Anthropic Console.
Was ist die CLAUDE.md-Datei?
Eine Markdown-Datei im Projekt, die Claude vor jeder Aufgabe liest: Regeln, Konventionen und was tabu ist, wie eine Übergabe an einen neuen Entwickler. Anthropics eigene Doku empfiehlt unter 200 Zeilen pro Datei, denn eine überladene CLAUDE.md lädt zu viel in den Kontext, kostet mehr Tokens und erhöht das Risiko von Halluzinationen.

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Porträt von Eric Hinzpeter

Eric Hinzpeter

Eric Hinzpeter, Senior B2B Content Strategist. Er baut KI-Agenten und Marketing-Automatisierung für den Produktivbetrieb und schreibt hier auf, was dabei herauskommt.

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